Bericht vom #LFFW

20.05.2017 // Waterstones Tottenham Court Road

London Festival of Football Writing: London Fields – Football in the Capital

Im Rahmen des „London Festival of Football Writing“ im Waterstones an der Tottenham Court Road diskutierten Steve Tongue, Phillipe Auclair, Jacob Steinberg und Moderatorin Mina Rzouki unter dem Titel „London Fields – Football in the Capital“.

Der Autor Steve Tongue hat sich in seinem Buch „TURF WARS“ (im pretty good bookshop erhältlich) ausgiebig mit der Fußballstadt London und insbesondere deren Geschichte befasst. Interessanterweise wurde die erste englische Fußball-Liga im Jahre 1888 ohne Londoner bzw. überhaupt Mannschaften aus dem Süden des Landes gegründet. Heute, zum Ende der Saison 2016/17 haben sich die Kräfteverhältnisse verschoben: Sowohl Meister und Vizemeister als auch die beiden Pokalfinalisten kommen aus der Hauptstadt.

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Gleichzeitig verabschiedet sich nach Dagenham & Redbridge im vergangenen Jahr nun mit Leyton Orient ein weiterer Londoner Club aus der Football League, wie die Gesamtheit der obersten vier professionellen Ligen genannt wird. Diese ist mit 92 Clubs im Vergleich mit anderen Ländern recht groß und somit ist es fast logisch, dass London mehr als ein Dutzend Vertreter stellt. In der Saison 1989/90 waren es allein acht Clubs in der höchsten Liga, Millwall und Charlton Athletic stiegen damals gemeinsam ab. Für Londoner Clubs sei es bis heute erwiesenermaßen schwieriger, den Titel zu holen, weil sie sich gegenseitig das Leben schwer machen, bemerkte Phillipe Auclair in diesem Zusammenhang. Der Franzose lebt und arbeitet seit vielen Jahren in London als freier Journalist. Jacob Steinberg vom Guardian wies darauf hin, dass die letzten beiden englischen Meister Leicester City und Chelsea beide den Vorteil hatten, nicht auf europäischer Ebene zu spielen und sich damit voll und ganz auf das Titelrennen in der heimischen Liga konzentrieren zu können. Die enorme Vielfalt begünstigt den Fußball-Tourismus, sagte Auclair: er wisse von zahlreichen französischen Landsleuten, dass sie regelmäßig die Spielpläne der unterschiedlichen Ligen studieren, um möglichst viele Spiele an einem Wochenende sehen zu können.

Einige der großen Clubs aus dem Norden haben bereits Büros in der Hauptstadt und manche erwägen gar, ihre Trainingsgelände nach London zu verlegen. Die Attraktivität für Spieler liegt in London in insbesondere in der Anonymität der Metropole begründet, einhergehend mit einem großen Plus an Lebensqualität. Philippe Auclair nannte Juan Mata und Ngolo Kante als Beispiel, die beide völlig anonym und unbehelligt im selben Wohnblock in Battersee lebten.

Auffällig ist die geringe Anzahl junger einheimischer Spieler, die den Sprung in die ersten Mannschaften der Eliteklasse schaffen. Steinberg sieht im finanziellen Druck, möglichst nicht aus der Premier League abzusteigen, einen wesentlichen Hinderungsgrund für den Einsatz junger Spieler. Auclair wies auf die starke internationale Konkurrenz aus Weltklasse-Spielern hin, die Premier League ist in seinen Augen eine Art „globale Liga, die in England ausgetragen wird“.

Ein weiteres ständig präsentes Thema sind die Wechsel der Spielorte aus finanziellen Erwägungen der Clubs. Zuletzt zog 2016 West Ham United nach 112 Jahren vom Boleyn Ground in das London Stadium, das 2012 als Olympiastadion weltweite Bekanntheit erlangte. Die erste Saison in der neuen Heimat war für die „Hammers“ mehr als ernüchternd, ähnlich ging es 2006 Arsenal nach dem Umzug ins Emirates Stadium. Steinberg erinnerte daran, dass „Arsenals Titel vor allem in Highbury gewonnen wurden“. Auclair berichtete von einem Gespräch mit Thierry Henry, dem Orientierungsschwierigkeiten in der neuen Umgebung zu schaffen machten. Immer wieder wird darüber geklagt, dass auch die Fans sich nicht richtig wohl fühlen und dass die Stimmung oft unter den Umzügen leide. Tottenham Hotspur, das bereits die vergangene Champions-League-Gruppenphase (ziemlich erfolglos) vor enormen Zuschauermassen im Wembleystadion absolvierte, berücksichtigt bei der Planung seines Stadionneubaus sogar akustische Studien, die bauliche Maßnahmen in optimieren sollen.

In der jüngsten Vergangenheit erfreut sich der Non-League-Fußball, also der semiprofessionelle und Amateur-Bereich, zunehmender Beliebtheit. In diesem Zusammenhang sind insbesondere Dulwich Hamlet als „Hipster-Club“ (Zitat Steve Tongue) und der für seine Ultras und sein Stadion „The Old Spotted Dog Ground“, das älteste in London, berühmten Clapton FC zu nennen.

#LFFW war eine sehr bereichernde Veranstaltung für die Freunde der Literatur und Sachbücher rund ums runde Leder, es wäre schön, wenn es 2018 eine Neuauflage der Reihe gäbe. Ein besonderes Dankeschön geht an www.tlfg.uk, der auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht hat. Dort ist im Post „TLFG: 22-31 May 2017“ ebenfalls ein Bericht zu lesen.

https://ldnfestivaloffootballwriting.squarespace.com/events/